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Freitag, 14 Oktober 2016 05:48

Liederabend mit Andreas Schager in der Oper Frankfurt Empfehlung

Zum Auftakt des Liederabend-Zyklus in der Oper Frankfurt präsentierten Andreas Schager und Matthias Fletzberger vor gut besuchten Haus ein Liederprogramm mit Werken von Schumann, Wagner, Beethoven, List und Strauss. Das Publikum spendete großen und langandauernden Applaus (Bravo-Rufe schon vor der Pause) und auch die Kritik zeigte sich beeindruckt: "Schager und das Kunstlied: Ein schöner Anfang", "Seine Artikulation war ausnahmslos wie zum Mitschreiben deutlich", "Matthias Fletzberger als Pianist, nie zu laut, immer anschmiegsam".

"Umwerfend ist seine unangestrengte Stimmkraft, und – so wäre es auch für Siegfried – die wirkliche Herausforderung liegt für ihn im Piano und im Detail. Schager weiß es, Schager versucht es. Auch macht an seiner Seite der Pianist Matthias Fletzberger es vor, ein eingespieltes Team. Zur Zeile „wir könnten Engel sein“ lächeln sie sich diabolisch zu. Trotzdem ist es eine Abendluft wie Donnerhall, die über die Robert Schumannsche „Myrthen“-Piazetta weht. Wenn in Richard Wagners Wesendonck-Liedern Aug in Auge wonnig trinken, bebt die Erde. In Franz Liszts drei Petrarca-Sonetten wird aus dem Heldentenor ein italienischer Heldentenor, dem die jeweilige Sonett-Pointe ins Riesenhafte gerät.

Es gibt freilich andere Momente, in Beethovens Liedern „An die ferne Geliebte“ eine hinreißende Leichtigkeit zur Maien-Rückkehr. Aber auch hier merkt man, wie der Sänger es liebt und kann, am Ende doch noch aufzutrumpfen. Schager, durchaus ein Witzbold, wenn er darf, hat sich sorgfältig vorbereitet, seine Anfängerrolle in dieser neuen Situation akzeptiert er sichtlich. Er tritt ja ohnehin immer völlig unborniert an, nichts an ihm wirkt kompliziert. Vor ihm steht der Notenständer, und doch muss er sich manchmal Mühe geben, im Tempo (und nicht nur da) die Textverständlichkeit nicht völlig aufzugeben. Es entsteht der sympathische Eindruck eines Künstlers, der sich auf nicht unbekanntes, aber doch weniger vertrautes Terrain wagt.

Klug die Auswahl, auch originell, indem man die Wesendonck-Lieder naturgemäß nicht oft von einem Mann hört. Isolde tritt hinter dem Tristan zurück, dem nun sogar eine Art Liebestod gegönnt ist. Am farbenreichsten vielleicht die Richard-Strauss-Lieder zum Schluss: „Wie sollen wir sie geheim halten“ (die gemeinsame Seligkeit nämlich), singt Schager, und das wird bei dieser Durchschlagkraft wahrlich schwierig werden. Aber schon zeigt das „Ständchen“, dass es sehr wohl geht. „Mach auf, mach auf, doch leise mein Kind“, dazu murmelt das Klavier. Schager und das Kunstlied: Ein schöner Anfang."

(Judith Sternberg, Frankfurter Rundschau, 12.10.2016)


"Im offiziellen Programm wagte er mit Teilen aus Robert Schumanns „Myrthen“ op. 25 und mit Ludwig van Beethovens Zyklus „An die ferne Geliebte“ op. 98 eine ebenso anspruchsvolle Auseinandersetzung mit dem für ihn ungewohnten Genre wie in seiner Auswahl von Richard-Strauss-Liedern und Franz Liszts Vertonungen dreier Petrarca-Sonette. „Pace non trovo“ („Frieden kann ich nicht finden“): Sowohl der Sinn des Texts als auch der perfekt fokussierte Heldentenor Schagers legitimierten an dieser Stelle das äußerste Fortissimo. Zumal er vor allem in Beethovens Zyklus das Spektrum insoweit um vieles weiter geöffnet hatte. Von „Maien“ und „blühenden Auen“ sang er mit jugendlicher Leichtigkeit und ohne jede Anspannung, in der Schlussnummer „Nimm sie hin denn, diese Lieder“ bot er betörend filigrane Momente, die neben allen heldentenoralen Muskelspielen seine Bühnenauftritte regelmäßig eben auch auszeichnen.

Vielleicht wird er diese Zurückhaltung in zukünftigen Liederabenden ein wenig häufiger wagen als in diesem Debüt. Und dafür seltener auf große, pauschale Gesten setzen, die von einer weiteren Stärke Schagers etwas ablenkten: Seine Artikulation war ausnahmslos wie zum Mitschreiben deutlich, bereits in Schumanns „Widmung“, dem „Nussbaum“ und den beiden „Venezianischen Liedern“, die er als mutige Selbstherausforderung zum Einstieg gewählt hatte. In jeder Hinsicht Unterstützung bot ihm sein Landsmann Matthias Fletzberger als Pianist, nie zu laut, immer anschmiegsam."

(Alex Zibulski, F.A.Z., 13.10.2016)